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Transvulcania - CNF auf La Palma - Kuscheln mit der Weltelite –

In diesem Bericht geht es um einen der härtesten Ultrabergläufe der Welt, dem Transvulcania und um das Schicksal von Uwe Matzkowski (ich). Der Transvulcania ist ein Ultratrailberglauf, der jedes Jahr im Mai auf der Kanareninsel La Palma stattfindet.

Der Lauf hat 74,33km und die Kleinigkeit von 4500 Höhenmetern aufsteigend. Stellt euch vor ihr müßt 4 x von Achern auf die Hornisgrinde rauflaufen. Am Start die komplette Weltelite der Trailrunningszene und eben auch ich. Asphalt findet man dort extrem wenig, dafür aber viele schwierige Trails.

Was habe nun ich als Asphaltläufer bei solch einer Veranstaltung zu suchen?

Nun ja, so richtig erklären kann ich es auch nicht, aber das kam so...

Während eines Wanderurlaubs auf La Palma sah ich immer wieder kleine, drahtige schnelle Spanier an mir vorbeiflitzen und wollte natürlich wissen was die da trieben. Ich habe mich dann schlau gemacht und erfuhr, daß die Spanier für einen Transvulcania trainierten. Also weiter schlau gemacht und mich über die Veranstaltung informiert. Rein von den Daten des Laufes schien es mir unmöglich zu sein auch nur an eine Teilnahme zu denken. Die Neugier jedoch hat gesiegt und ich beschloß mich der Herausforderung einmal zu stellen. So einfach anmelden funktioniert aber bei dieser Veranstaltung nicht, denn der Veranstalter forderte eine Qualifikationsleistung und hierfür war ein einfacher Marathon nicht ausreichend. Da ich aber in 2016 bei der Ulmer Laufnacht die 103km mit

1600 Höhenmetern erfolgreich finishen konnte wurde das Resultat anerkannt und recht bald war ich gemeldet. Wie aber nun für solch ein Ereignis trainieren?

Mit flachen Asphaltkilometern konnte ich hier wohl nicht antreten - es mußten Höhenmeter her. Da ich in Oberkirch wohne schien mir eine Runde mit mehr als 50km über die Hornisgrinde durchaus geeignet. Da ich u.a. diese Runde mit 1700 Höhenmetern mehrfach absolvierte konnte ich mit immerhin 1236 Jahreskilometern in 2017 und darin enthaltenen 17500 Höhenmetern recht beruhigt die Reise nach La Palma antreten. Los ging es dann 3 Tage vor dem Start, damit ich mich noch ein bißchen an die Witterung auf der Insel gewöhnen konnte. Natürlich habe ich zusammen mit meinem Team von 2 Supportern vor dem Start keine langen Wanderungen mehr unternommen, vielmehr war Erholung angesagt und wir durften uns am Vorabend auf einer Pressekonferenz zusammen mit der geballten Weltelite auf das Ereignis einstimmen. Dort wurden dann auch noch einmal die Regularien erläutert, u.a. mußte ich in einem Rucksack mindestens 1 Liter Wasser, 1 Mobiltelefon, eine Rettungsdecke, sowie eine Stirnlampe mit mir führen, was sogar am Start noch kontrolliert wurde. Dann kam der Samstag, also der große Tag. Wir fuhren um 3.45 früh morgens von unserer Unterkunft los zum knapp 34km entfernten Startpunkt an der Südspitze der Insel. An einem Leuchtturm direkt am Meer sammelten sich knapp 2000 Verrückte. Aufgrund meiner bisher noch fehlenden Resultate in der Trailrunningszene durfte ich ganz hinten starten. Für mich ein wirklich emotionaler Moment zusammen mit allem was Rang und Namen hat bei einem für mich fremden Ultratrail zu starten. Der Startschuß ertönte und eine helle Lichterkette lief los in die morgendliche Dunkelheit. Schon recht bald aber stoppte diese Lichterkette. War es unten auf dem Startplatz noch sehr breit wurde alsbald das Läuferfeld in einen engen Bergaufpfad geschleust, was dazu führte, daß ich vor dem Nadelöhr eine Wartezeit von knapp 10 Minuten hatte. Das gleiche passierte dann noch einige Kilometer später kurz bevor ich das erste Dorf erreichte. Leider führte die hohe Teilnehmerzahl auch dazu, daß ich bis km 16,48 nicht in meinem Rhythmus laufen konnte, da ein Überholen in der Schlange aufgrund der engen Wege kaum möglich war. Die meisten Teilnehmer in meinen Zeitbereichen sind bergauf gewandert und bergab gelaufen und ich war es genau umgekehrt gewohnt, da ich aufgrund fehlender Bergabqualitäten runter einfach nicht laufen kann. Somit kam schon zu Anfang mein Plan etwas durcheinander. Ich wollte ursprünglich für die Bergabstücke ein Zeitguthaben rauslaufen. Ab km 16,48 dem zweiten Verpflegungspunkt konnte ich dann freier laufen und es zeigte sich das Bild, daß ich berghoch immer wieder an die Gruppen ranlaufen mußte, die mich bergab einfach stehen ließen. Nahezu alle Trailläufer erholen sich bergab, nur eben ich nicht. Für mich bedeuten leider beide Richtungen eine immense Anstrengung, also eigentlich im Vergleich zu Anderen die doppelte Belastung.


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Im Aufstieg ungefähr bei km 14


Aufgrunddessen begann dann auch schon der Kampf mit den Kontrollzeiten, bei deren Überschreitung mich der Veranstalter aus dem Rennen genommen hätte. Am nächsten

Verpflegungspunkt bei km 24,28 hatte ich nur noch 15 Minuten Vorsprung auf den Kontrollschluß und somit war für eine ausreichende Verpflegung keine Zeit. Es ging also weiter und meine Kondition ließ dabei immer mehr nach und noch so viele Kilometer ...


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Uwe bei km 31 am Reventón-Pass


Bin ich bis km31 noch unterhalb einer Meereshöhe von 2000m geblieben ging es nun steil bergauf auf den sogenannten Caldera-Rand auf über 2000m. Caldera bezeichnet einen Kraterkessel. La Palma ist eine Vulkaninsel, deren Berge des Kraterrandes bis auf knapp über 2400m hinauf ragen. Oben auf dem Caldera-Rand angekommen ging es dann über vielfach steiniges Gelände ständig auf und ab und ich verfolgte das gleiche Ziel, d.h. bergauf wieder an Gruppen ranlaufen, um dann bergab wieder den Kontakt zu verlieren. Ein für mich ziemlich zermürbendes Spiel und dabei noch die ständige Konzentration, damit ich nicht umknicke oder stürze. Schon recht bald durfte ich feststellen, daß meine Kraft für das Ranlaufen an die Gruppe nicht mehr ausreichte. Ich verlor dadurch Platz um Platz. Meine Kraft schwand dahin und dadurch bedingt kam meine Sehbehinderung zum Tragen, die sich so äußert, daß ich irgendwann wenn die Anstrengung zu viel wird den Boden unter meinen Füßen nicht mehr erkennen kann. Ich kann dann noch unterscheiden, ob es sich um Asphalt, normalen Waldboden oder aber Schotter und Steine handelt, aber eben nichts mehr so genau erkennen, so daß ich sicher weiß wo ich hintreten muß. In der Folge bin ich dann auch 3 x umgeknickt, jedoch ohne Folgen. Das Rennen wurde aber für mich so langsam gefährlich und der 18km lange Abstieg mit einem Verlust von 2400 Höhenmetern stand mir noch bevor. Vom höchsten Punkt La Palmas, dem Roque de los Muchachos auf 2426m sollte es ab km 51 direkt bis zum Meer runter gehen und das über teilweise Wege wie im folgenden Bild zu sehen.


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Ab km34 war mir klar, daß ein Abstieg für mich in meinem Zustand zu gefährlich sein würde und ich sicherlich auch aus dem Zeitlimit fallen würde. Eine Testwanderung am nächsten Tag zeigte mir, daß ich im erholten Zustand bei guter Sehfähigkeit gut 4,5 Stunden runter gebraucht hätte und im Wettkampf war eben der gute Zustand überhaupt nicht mehr gegeben. Somit war die vernünftige und auch fast schon logische Konsequenz bei km43 das Rennen zu beenden und mir einzugestehen, daß der Asphaltläufer einen der härtesten Bergultras doch wohl gehörig unterschätzt hatte. Klar war ich sehr gut trainiert, verfügte jedoch nicht ansatzweise über die technischen Fähigkeiten, um eine Chance auf ein Durchkommen zu haben. Ich bin dann recht zufrieden bei km43 mit immerhin 3280 Höhenmetern aufsteigend und 1276 Höhenmetern absteigend raus. Für einen Rücktransport von den Verpflegungsstellen hatte der Veranstalter gesorgt und ich war bei Weitem nicht der Einzige der raus mußte. Mein Schicksal teilte ich mit ca. 300 Anderen und weitere knapp 200 wurden aus verschiedenen Gründen disqualifiziert. Bis zu meinem Ausstieg hatte ich aber auch schon 8:39 Std verbraucht. Nur so nebenbei, der Sieger kam bei 7:02 Std ins Ziel. Na ja, war eben die Weltspitze. Wie die Ersten solche Zeiten erzielen konnten bleibt mir immer noch schleierhaft.

Ich selbst habe dann noch einige schöne Tage auf der Insel verbracht mit tollen Wanderungen, aber auch viel Erholung und werde sicherlich wiederkommen. Ich versuche bis 2019 meine Sehgeschichte in den Griff zu bekommen und Bergablaufen zu trainieren, um dann erneut einen Versuch zu wagen, denn diese Veranstaltung hat einfach eine zweite Chance verdient.


Schließen möchte ich den Bericht mit einem tollen Bild, das einen wunderschönen Ausblick von der Strecke aus zeigt.


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PS: Es fehlt noch etwas, denn was bedeutet denn das CNF aus der Überschrift. DNF gibt es. Das bedeutet "did not finish". CNF ist meine Erfindung und bedeutet einfach "could not finish". Ich konnte aufgrund meiner Voraussetzungen eher nicht ins Ziel kommen.


www.transvulcania.com  -  13.05.2017



Geschrieben von: Uwe Matzkowski am 25.05.2017