A Victory for Germany – Transvulcania 2019 / Skyrunning der Superlative

30. Mai 2019

… um es vorwegzunehmen, Uwe Matzkowski konnte sich endlich einen Lebenstraum erfüllen, indem er den diesjährigen Transvulcania finishte. Der Transvulcania ist einer der härtesten Bergultraläufe der Welt und findet statt auf der Kanareninsel La Palma. Jedes Jahr versammeln sich dort die weltbesten Trailläufer, die zusammen mit vielen anderen gut trainierten Bergläufern ein Teilnehmerfeld von gut 1500 Startern bilden. Alle zusammen hatten vor sich eine Strecke von 74,33km mit 4350 Höhenmetern aufsteigend und 4057 Hm absteigend. Die ersten 52km bis zum höchsten Punkt, dem Roque de los Muchachos auf 2428m geht es mit einer Durchschnittssteigung von 7,5% fast ständig bergauf. Die Wege des Rennens bestehen zumeist aus Lavasand, Geröll und andersartigen steinigen Trailpfaden. Okay, einige wenige Kilometer sind tatsächlich auf Asphalt. Zeit hat man für die Distanz 17 Stunden. Das liest sich zunächst recht gemütlich, allerdings relativiert sich beim Transvulcania einiges, denn vielfach kann aufgrund der Steigungsprozente und auch der Wegbeschaffenheit überhaupt nicht gelaufen werden und zudem spielt sich einiges an Kilometern oberhalb von 2000m ab und dort kann
die Atmung bereits erschwert sein. Soweit einmal die Zahlen. Wie aber begann nun alles für Uwe und wie schaffte er es diesmal ins Ziel?

Nachdem er in 2017 nach 43km und gut 3300Hm scheiterte, beschloss Uwe wiederzukommen und es noch einmal zu versuchen. Da der Lauf schon recht früh im Mai stattfindet musste sich Uwe durch ein Wintertraining quälen. Zum Teil hat das Training Spaß gemacht, allerdings gab es so manchen Samstag, an dem es bereits um 5.00 in der Früh auf die Hornisgrinde ging und insgesamt in solch einer Einheit 60km mit 1800Hm absolviert wurden. Das war nicht immer leicht, zumal es teilweise auf den Schwarzwaldhöhen bitterkalt war und Uwe zudem mit Schnee und umgefallenen Bäumen zu tun hatte. Na ja, es ging aber darum ein großes Ziel zu erreichen und auch die Quälerei musste trainiert werden. Klar, extreme Hitze und Lavasand gab es im Schwarzwald eher nicht. Das Training bis zum Transvulcania verlief optimal und konnte Ende April mit knapp 1000 Laufkilometern und gut 14500 Höhenmetern erfolgreich
abgeschlossen werden. Einige Testwettkämpfe, u.a. beim Hamburg-Marathon verliefen ebenfalls hervorragend und ließen diesmal ein Durchkommen als recht wahrscheinlich erscheinen. Mit diesem guten Gefühl ging es dann für Uwe Anfang Mai auf die Kanareninsel. 2 Tage vor dem Lauf konnte eine Trainingseinheit oberhalb von 2000m auf der Wettkampfstrecke mehr als zufriedenstellend abgeschlossen werden. Uwe wollte damit seine Streckenkenntnis erweitern und sich auch an die Höhe anpassen, was ihm absolut gelang. Vielleicht war das Training 2 Tage später die Grundlage des Erfolges. Dann ging es am Samstag, 11.05.2019 endlich los. Nach einer eher nicht durchgeschlafenen Nacht brachen Uwe und seine beiden Betreuer Bernd Matzkowski und Uwe Schwerte schon um 4.00 morgens auf zum Startpunkt. Dort erfolgte der Start um 6.00. Eine Lichterschlange setzte sich in Bewegung um vom Meeresniveau aus Richtung Bergkette aufzusteigen Bis zum ersten Verpflegungspunkt bei km 8 und immerhin schon 700 Hm lief es ausgezeichnet. Ganz entspannt erreichte Uwe dort seine bisherige Bestzeit. Auch im Folgenden lief alles nach Plan. Die Hitze war erträglich, die Wege waren zu ertragen und der Lavasand sorgte wie üblich dafür, dass man 2 Schritte nach vorne machte und davon einen wieder zurück.

Wahrlich keine leichten Wege

Den zweiten Kontrollpunkt bei km 25,28 erreichte Uwe in 4:17 Std. und war somit gut 30 Minuten schneller als in 2017. Maximalzeit dort waren 5 Stunden. Die Sportler hatten aber zu diesem Zeitpunkt auch knapp über 2000 Hm aufsteigend in den Beinen. Dann ging es noch recht gut weiter bis km36 und dort hatte Uwe seinen ersten und zum Glück auch einzigen Tiefpunkt. Nach knapp 3000 Hm und teils heftigen Aufstiegen saß er an einer Berghütte und wollte nicht mehr. Der nächste Ausstiegspunkt wäre wie auch schon in 2017 bei km 43 gewesen. Irgendwie tat alles weh und die Motivation war im Keller. Nun gut bis zum Ausstiegspunkt hatte er sich noch zu quälen und dann musste er akzeptieren, dass Trailrunning auf dem hohen Niveau eben nichts für ihn ist. Warum auch immer bekam Uwe dann aber beim Weiterlaufen, oder eher beim Weitergehen ein zweites Leben. Er konnte sich erholen und entschied sich bei km 43 fürs Weitermachen. Die Quälerei fand zwar kein Ende, wurde aber irgendwie erträglicher und immer wenn es Aufmunterung brauchte standen Uwes Betreuer an der Strecke und feuerten ihn an. Er konnte einfach nicht mehr aussteigen, es sei denn er würde aus dem Zeitlimit fallen. Bei km 52 am höchsten Punkt wurde es tatsächlich etwas knapp, denn er hatte nur noch 12 Minuten auf den Kontrollschluss – reichte aber 🙂

Nun folgte aber genau das Stück, was Uwe nicht mochte. Von 2428m ging es auf nur 18km steil bergab bis runter zum Meer und das teils auf Wegen über die man nicht einmal seine Feinde schicken möchte. Für die 18km benötigte Uwe auch knapp 4 Stunden, war damit aber sehr zufrieden und vor allem zeitlich immer noch im Soll. Auch hier galt, wenn immer er leicht schwächelte tauchte am Wegesrand sein Team auf, um ihn aufzumuntern. Gut 3,2km oberhalb des Meeres brauchte es aber auch kaum noch die Anfeuerung, denn Uwe wusste zu dem Zeitpunkt, dass er es schaffen könnte, wenn er nur nicht umknicken würde, denn auf der gesamten Strecke hätte jeder Schritt der Letzte sein können. Es galt auch weiterhin die Konzentration hoch zu halten. Mittlerweile war Uwe aber so etwas von „adrenalingeschwängert“, dass alles nur noch von selbst lief.

 

Mit einer tollen Aussicht für die Strapazen belohnt

Unten am Meer angekommen waren es nur noch 5km mit 350Hm bis ins Ziel und Uwe hatte auf den Zielschluss bereits 1:45 Std. herausgelaufen. Der Sieg schien greifbar zu sein. Etwas gemein war, dass die 350Hm nur auf 2km verteilt waren, allerdings ging es knapp 2km vor Schluss auf Asphalt und das war natürlich das Terrain, was Uwe kannte und konnte. Er fing nicht nur an zu laufen, sondern nach mehr als 72km im Trail sogar an zu rennen und schaffte es noch 18 Plätze gut zu machen. Der Zieleinlauf in der ehemaligen Hauptstadt Los Llanos der Aridane war ein einziger Triumph. Den Tränen nahe erreichte Uwe das Ziel in 16:14:45 Std. und war vor Glück kaum zu bremsen. Sein Zieleinlauf wurde durch den Sprecher kommentiert mit der Aussage „A Victory for Germany“. Für Uwe war es aber viel, viel mehr. Es war ein Sieg über sich selbst bei einem der härtesten Läufe dieser Welt. Ach ja, die Platzierung sollte noch berichtet werden, obwohl diese bei diesem Rennen selbst für Uwe eindeutig keine Bedeutung hatte. Von insgesamt 1213 Verrückten belegte er Platz 947 und konnte somit nicht gerade Wenige hinter sich lassen – Uwe Matzkowski!

http://www.transvulcania.es

 

 

 

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